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00:00:00.000 --> 00:00:08.270
Mein Name ist Michael Krause. Ich bin Professor
für Physik und angewandte  Lasertechnik hier
in der Hochschule in Merseburg und ich möchte
heute

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00:00:08.270 --> 00:00:16.370
erklären,  warum jeder seinen eigenen Regenbogen
sieht und was das mit Dispersion zu tun hat.
Dispersion beschreibt in den Naturwissenschaften

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00:00:16.370 --> 00:00:24.190
ganz unterschiedliche  Phänomene. In der Physik,
genauer gesagt in der Wellenphysik, beschreibt
Dispersion die  Frequenzabhängigkeit der

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00:00:24.190 --> 00:00:28.240
Ausbreitungseigenschaften von Wellen durch
lineare Medien. In der Optik

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00:00:28.820 --> 00:00:30.260
spricht man

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00:00:30.260 --> 00:00:41.270
meistens von der Wellenlängenabhängigkeit
der Brechtzahl.  Die Brechtzahl ist ein dimensionsloses
Maß dafür,  wie stark ein Medium

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00:00:41.270 --> 00:00:45.590
die Ausbreitungsgeschwindigkeit einer Welle,
Lichts,

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00:00:45.880 --> 00:00:54.090
im Vergleich zur Ausbreitungsgeschwindigkeit
in Vakuum reduziert.  Sie ist daher definiert
als das Verhältnis von Lichtgeschwindigkeit
zu

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00:00:54.090 --> 00:01:01.000
Phasengeschwindigkeit im Medium.  Üblicherweise
veranschaulicht man den Effekt der Dispersion

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00:01:01.000 --> 00:01:03.000
anhand von Glasprismen.

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00:01:04.000 --> 00:01:15.000
Es gibt aber ein Phänomen, das uns allen viel
näher ist und das genauso gut zur Erläuterung
der Dispersion herangezogen werden kann.  Es
geht

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00:01:15.000 --> 00:01:18.000
um den Regenbogen und dass auch Wasser,

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00:01:18.000 --> 00:01:26.000
Licht in seine spektralen Anteile zerlegen
kann, haben wir mit diesem kleinen Versuchsaufbau
hier nachgestellt.  Wir haben also eine Lichtquelle,

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00:01:26.000 --> 00:01:32.000
wir haben eine Kollimationsoptik und wir haben
ein mit Wasser gefülltes Prisma und wir können
die Aufspaltung des Lichtes

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00:01:33.000 --> 00:01:42.000
in unterschiedliche Spektralfarben hier auf
diesem Detektorschirm sichtbar machen.  Wenn
wir die Effekte des Regenbogens näher erläutern

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00:01:42.000 --> 00:01:49.000
wollen,  ist es am einfachsten zunächst ein
einzelnes isoliertes Wassertröpfchen zu machen.

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00:01:49.000 --> 00:01:56.000
zu betrachten. Wir haben also ein als ideal
kugelförmig anzusehendes Wassertröpfchen.
Das wird von einem Lichtstrahl

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00:01:57.000 --> 00:02:01.000
getroffen und an dieser ersten Grenzfläche
Luft-Wasser

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00:02:01.000 --> 00:02:07.000
wird das Licht sowohl reflektiert als auch
transmitiert, also durchgelassen.  Es gelangt
also ins Innere des Tröpfchens.

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00:02:08.000 --> 00:02:16.000
wird an dieser Grenzfläche Wasserluft abermals
reflektiert und transmitiert und kann entweder
hier  detektiert oder der reflektierte Strahl
hier

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00:02:16.000 --> 00:02:25.000
aufgefangen werden.  Wenn wir jetzt einen Strahl
betrachten, der nicht auf dieser Linie auf
das Wassertröpfchen fällt, sondern weiter
oben,

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00:02:25.000 --> 00:02:32.000
Dann würde sich der Weg des Lichts durch das
Wassertröpfchen ändern.  Es würde an dieser
Grenzfläche gebrochen werden, an dieser

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00:02:32.000 --> 00:02:37.000
Grenzfläche reflektiert  und würde das Wassertröpfchen
wieder unter einem gewissen Winkel verlassen.

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00:02:37.000 --> 00:02:39.000
Und diesen Winkel

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00:02:41.000 --> 00:02:42.000
Kann man messen.

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00:02:45.000 --> 00:02:47.000
und

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00:02:47.000 --> 00:02:51.000
Er ist für unterschiedliche Abstände von
dieser zentralen Achse

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00:02:51.000 --> 00:02:55.000
auch unterschiedlich, aber nicht beliebig.

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00:02:55.000 --> 00:03:00.000
Es gibt einen Maximalwinkel und dieser Maximalwinkel

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00:03:00.000 --> 00:03:08.000
wird auch von benachbarten Strahlengängen
faktisch immer wieder getroffen.  Was bedeutet,
dass ein Beobachter

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00:03:08.000 --> 00:03:11.000
diesen austretenden Strahl

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00:03:11.000 --> 00:03:20.000
in seiner Beobachtungsposition wahrnehmen könnte.
Dieser Winkel hängt aber  auch von der Wellenlänge
des Lichtes ab.  Für rotes Licht

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00:03:20.000 --> 00:03:23.000
Beträgt der im Falle von Wasser?

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00:03:23.000 --> 00:03:29.000
42 Grad, für grünes Licht 41 Grad und für
blaues Licht 40 Grad.

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00:03:29.000 --> 00:03:30.000
Vielen Dank.

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00:03:31.000 --> 00:03:39.000
Jetzt ist ein Regenbogen ein kollektiver Effekt.
Das heißt, einzelne Regentröpfchen

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00:03:40.000 --> 00:03:46.000
tragen individuell, aber in der Gesamtheit
zu der optischen Erscheinung bei.

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00:03:46.000 --> 00:03:52.000
Damit das stattfindet, muss der Beobachter
eben genau diesen Winkel relativ zu den Wassertröpfchen
einnehmen.  Man muss aber auch

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00:03:52.000 --> 00:03:59.000
bedenken, dass die Wassertröpfchen ja von
oben nach unten fallen.  Das heißt, jedes
fallende Tröpfchen, das von dieser Seite mit
Licht

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00:03:59.000 --> 00:04:06.000
beschienen wird,  würde unterschiedliche Beobachtungswinkel
adressieren können und damit auch unterschiedliche
Spektralfarben.  Und die

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00:04:06.000 --> 00:04:08.000
Gesamtheit aller Tröpfchen...

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00:04:08.000 --> 00:04:11.000
die dieses Phänomen zeigen.

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00:04:11.000 --> 00:04:20.000
sorgt dafür, dass wir einen statischen Regenbogen
wahrnehmen können.  Und da es extrem von der
Beobachtungsposition abhängt, ist klar,

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00:04:20.000 --> 00:04:27.000
dass jeder seinen eigenen Regenbogen sieht.
Streng genommen sieht sogar jedes Auge seinen
eigenen Regenbogen.

